Juni 2026 – Andreas Seltmann & Krematorium Südbaden

Veranstaltung Nummer
Es war die 166. Veranstaltung der tafelrunde

Teilnehmer
Es haben 19 Mitglieder teilgenommen.

Veranstalter
Andreas Seltmann & Mario Müller

Das  Thema
Trauer, Abschied von geliebten Menschen

Termin
Montag, 15.06.2026, 18:30 bis 20:30 Uhr.

Ort
Krematorium Südbaden GmbH, 79427 Eschbach

Kurzform der Veranstaltung

Wir haben uns in der großen Eingangshalle des Krematoriums getroffen und konnten uns gleich an den kühlen Getränken bedienen, die den (Trauer)Gästen des Krematoriums zur Verfügung stehen. Dankeschön, lieber Mario, für diese schöne Geste. Sie war bei den vorhandenen Temperaturen sehr willkommen. Die Veranstaltung selbst fand in der Trauerhalle – und im Rahmen der Führung – im gesamten Unternehmen statt.

Nach meiner Begrüßung und kurzen Erklärung zum Ablauf hat Andreas übernommen.

Es gab keine Lesung, sondern sehr persönliche und emotionale Erläuterungen, wie der Gedanke zum Buch entstand. Der Abschied vom langjährigen Arbeitgeber hat ihm die Möglichkeit geboten, die parallel auftretende Erkrankung des Vaters mit viel Zeit und gedanklichem Freiraum begleiten zu können. Sehr wertvoll war der Rat seines damaligen Firmenchefs, der die telefonische Nachricht von der schwere der Erkrankung des Vaters, die Andreas an seinem letzten Arbeitstag telef. erhielt, mitbekam: „Sag das direkt im Anschluss anstehende Seminar in Bayern ab. Kümmere dich sofort um deinen Vater. “ Andreas ist dem Rat gefolgt und ist bis heute Dankbar für ihn.

Die Zeit der Aufarbeitung der Familiengeschichte (jede Familie hat ihre eigene) ist genau so Teil des Buches, wie die Begleitung des Vaters auf dessen letzter Lebensreise, das Abschiednehmen und am Ende die Bewältigung der Trauer.

Andreas hat das Buch in der Ich-Perspektive verfasst. Er beschreibt darin seine eigenen Erlebnisse und Gedanken aus der Sicht des Sohnes. Es kommen aber auch die Familienangehörigen vor. Die alle namentlich genannt sind, denn es hätte sich für ihn falsch angefühlt, fiktive Namen und fiktive Personen einzufügen. Aber: alle im Buch vorkommenden Familienmitglieder/Freunde haben das Werk vorab zum Lesen erhalten und hätten ihren Part herausstreichen lassen können. Andreas war das „OK“ aller sehr wichtig. 

Andreas möchte mit dem Buch Lesern Halt geben, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Denn er durfte auf dieser „Reise“ erleben, dass er nicht alleine ist, mit seiner Trauer. Langjährige Freunde z.B., die den Vater seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hatten, sind von weither zur Bestattung angereist und haben Andreas damit unglaubichen Halt gegeben.

Ach ja. Das Schweizer Krokodil, das nun nicht mehr fährt und Andreas in seinem Arbeitszimmer täglich an seinen Vater erinnert. Was hat es damit auf sich? Die Teilnehmer wissen es. Diejenigen, die nicht teilnehmen konnten, können es von den Teilnehmern gerne erfahren. Einfach nachfragen.

Danach hat Mario übernommen.

Er stammt aus der ältesten, Freiburger Bestattungsfamilie und seine Schwester führt das Unternehmen bis heute. Die beiden haben sich quasi in die Unternehmensbereiche „Bestattung“ und „Krematorium“ aufgeteilt.

Das Gebäude des Krematoriums entspricht in keinster Weise dem Bild eines Krematoriums, wie es alle Teilnehmer vor dem inneren Auge hatten. Es ist extrem hell und lichtdurchflutet. Die Trauerhalle z.B. grenzt mit einer riesigen, bodenhohen Fensterfront direkt an eine Wiese mit Baumbestand, angrenzend an den Wald. Es fühlt sich wie Natur an, nicht wie ein Gewerbegebiet, in dem das Krematorium steht.

Mario wollte für den ganzen Südbadischen Raum einen neuen, besonderen Ort für Feuerbestattungen errichtet. Er war sicher, dass der Wunsch nach mehr als nur ein Krematorium für Einäscherungen besteht. Er wollte den Angehörigen den Gedanken „Bewusst begleiten“ ermöglichen. In hellen und freundlichen Räumen. Voller Respekt nehmen seine Mitarbeitet Verstorbene in ihre Obhut und geben den Hinterbliebenen die Möglichkeit, auf der letzten Reise an der Seite ihrer verstorbenen Angehörigen zu sein. Und ganz in Ruhe, in wirklich angenehmer Atmosphäre Abschied zu nehmen. Bis hin zum dabei sein dürfen (aber nicht müssen!), wenn der Sarg in die Feuerstelle eingeschoben wird.

Seine Kunden sind aber nicht die Familien von Verstorbenen, sondern ausschließlich Bestatter. Er bedient das klassische B2B Geschäft. Anfragen von Hinterbliebenen verweist er auf den Bestatter vor Ort, mit dem er nicht in Konkurrenz treten, sondern ihn langfristig als Kunde gewinnen und halten mag.

Mario entführte uns in die, für die allermeisten von uns, unbekannte Geschäftswelt eines Krematoriums. Wir erhielten tiefe Einblicke  in den Arbeitsalltag, die unglaubliche Menge an Einäscherungen, die täglich vorgenommen werden können und in die perfekt getimten Arbeitsabläufe. Dass die gesetzlichen Auflagen an sein Unternehmen sehr hoch sind lässt sich erahnen. Einen Bauplatz und eine Baugenehmigung für ein Krematorium zu erlangen ist eine Herkulesaufgabe. Mario hat sich ihr gestellt und konnte sie 2019 erfolgreich realisieren. Dass seine Art ein Krematorium zu erstellen und zu betreiben Anklang findet zeigt die Geschäftsentwicklung. Von anfänglich ca. 1.000 Einäscherungen p.a.  ist die Zahl auf aktuell ca. 4.000 gestiegen. Tendenz stark steigend. Die Kapazitätsgrenze ist noch ein Stück entfernt, trotzdem wird gerade ein 2. Ofen installiert, um weiterhin ohne Druck (auch für die Mitarbeiter) arbeiten zu können.

Die Urnenbestattung ist heute die beliebteste Bestattungsart. Nicht, weil sich Menschen wünschen verbrannt zu werden. Aber weil  es 1. eine Vielzahl an Urnen Bestattungsmöglichkeiten (z.B. Ruhewald) gibt und 2. die Grabpflege für die Angehörigen leichter zu bewältigen ist, wie  bei einem klassischen Erdgrab auf einem Friedhof.

Während der Führung durch das beeindruckende Gebäude erhielten wir von Mario vielfältige und spannende Informationen zum Arbeitsalltag in einem Krematorium. Die Menge an Fragen an Mario machte deutlich, wie sehr uns alle das Thema interessierte.

Um 20:20 Uhr musste ich die Fragerunde abbrechen, weil der Tisch im Gasthaus Oxx auf 20:00 Uhr reserviert war. Somit fand eine ganz wunderbare tafelrunde Veranstaltung leider ein etwas abruptes Ende.

Wer interessiert daran ist, mehr zum Unternehmen zu erfahren: Fragt gerne die Teilnehmenden.

So eine Veranstaltung ist ohne die Unterstützung und Mitwirkung fleißiger Hände und Gönner nicht möglich.
Dafür DANKESCHÖN an:

  • Andreas Seltmann für die bewegenden Ausführungen zu seinem Buch „Das Krokodil fährt nicht mehr“.
  • Mario Müller für die sehr interessanten Erläuterungen zum Unternehmen und die Führung durch das Haus.
  • Alle Teilnehmer fürs dabei gewesen sein, Zeit genommen und sich gegen das gemütliche Sofa zu Hause entschieden zu haben.

An der Teilnahme verhindert gewesen?
Erkundige dich gerne bei einem der Teilnehmer, damit auch du  die erhaltenen Informationen des Abends zu Unternehmen, Produkte, Dienstleistungen für dein Wissen und dein Netzwerk nutzen kannst.

Zugänge
Im vergangenen Monat haben sich Benjamin Bühler und Thomas Herzig unserer Runde angeschlossen. Herzlich willkommen und Dankeschön, dass ihr die tafelrunde mit eurer Persönlichkeit und euren Unternehmen wertvoll verstärkt.  Beide werden sich in den kommenden Monaten mit ihrem Abend präsentieren.

Abgänge
Kündigungen wurden keine ausgesprochen.

Und was gibt’s im Juli?
Am 13. Juli wird es lecker und gesellig. Im Rahmen einer Doppelveranstaltung unserer Mitglieder Wolfgang Pfeifle (Bäckerei Pfeifle) und Birgit Schätzle (Ofenbau Schätzle) erhalten wir einen Brotbackkurs und feiern dabei unser Sommerfest. Das bedeutet, dass Partner wieder herzlich willkommen sind.

Details folgen 14 Tage vor der Veranstaltung.

Herzliche Grüße in die wunderbare Runde.

Jogi

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